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Reisebericht Tallinn & Stockholm I – Mein Schiff 4

Nur gut sechs Wochen waren nach meiner spontanen Kreuzfahrt mit der AIDAnova vergangen bevor es schon wieder hieß “Leinen los”. Nach den Kanaren war es mal wieder Zeit für nordisches Kontrastprogramm. Mit der Mein Schiff 4 ging es von Kiel durch die Ostsee nach Tallinn und Stockholm. Eine kurze aber schöne fünftägige Route.

Die Route: Kiel – Seetag – Tallinn – Stockholm – Seetag – Kiel

Tag 1 – Kiel

Bereits zum dritten Mal startete meine Kreuzfahrt in Kiel. Insofern war die Anreise gewohnt unproblematisch. Mit dem Zug aus Osnabrück ist man in gut drei Stunden am Ziel. Hinzu kommen die kurzen Wege in Kiel. Wer nicht auf die bereitgestellten Shuttlebusse warten möchte, ist auch zu Fuß nach etwa 15 Minuten am Ostseekai wo die großen Kreuzfahrtschiffe regelmäßig festmachen.

In Kiel angekommen war das Wetter in jeden Fall schon auf meiner Seite. Aber eigentlich darf man Ende Mai auch schon die ein oder andere Sonnenstunde erwarten. Vorwegnehmen kann ich aber auch schon, dass der Rest der Reise nicht immer so sonnig wie an diesem Donnerstag in Kiel blieb.

Check-in mit Wartezeit

Die Vorfreude auf den Kurzurlaub wurde dann am Terminal etwa getrübt. Anders als ich es bisher gewohnt war, ließ der Beginn des Check-ins auf sich warten. Wie in anderen Häfen, konnte ich bisher auch in Kiel ohne große Wartezeit an Bord gehen. Der Check-in sollte ab 13 Uhr möglich sein, sodass sich etwa eine Stunde zuvor die Menschen im Terminal sammelten und die Warteschlange immer länger wurde. Offenbar ist TUI deutlich konsequenter beim Einhalten der Check-in Zeit geworden. Im Vorfeld hatte ich auch im Onlineportal gesehen, dass man dort einen Early Check-in (ab 9:00 Uhr) für 25€ pro Person hinzubuchen konnte. Von daher ist dies offenbar der neue Weg. Ein flexibler Check-in wäre mir, genauso wie einigen Hundert anderen in Kiel wohl lieber gewesen.

Ein letzter Blick von der Mein Schiff 4 auf Kiel.
Ein letzter Blick von der Mein Schiff 4 auf Kiel.

Wie zu Hause

Nichtsdestotrotz hatte ich es dann auch bald an Bord geschafft. Passend dazu erhielt ich auch die Info das die Kabine bezugsbereit ist per SMS auf mein Handy. Dann hieß es erstmal Gepäck ablegen und ab aufs Pooldeck bzw. in Gosch Restaurant für einen kleinen Snack im Buffetteil des Restaurants. Es folgte eine erste Erkundung des Schiffs, die bei der Mein Schiff Flotte erfahrungsgemäß einfach ausfällt, da sich die Neubauten 3-6 und selbst die neue 1 und 2 nicht sonderlich im Aufbau unterscheiden. Da fühlt man sich ganz schnell wieder zu Hause. Auf der AIDAnova war das für mich zuletzt noch ein viel Größeres unterfangen.

Langwierige Seenotrettungsübung

Ähnlich wie beim Check-in lief auch bei der Seenotrettungsübung nicht alles rund. Wie ich später erfuhr musste die Besatzung beim Überprüfen der Passagierdaten kurzfristig auf Papier umstellen. Normalerweise läuft es ja einfach über das Scannen der Bordkarten ab. Das Prozedere zog sich dadurch deutlich in die Länge. Begünstigt wurde das außerdem von den Reisenden die überpünktlich in der Musterstation, in meinem Fall das Klanghaus, Platz genommen hatten. Sie waren so früh, dass Sie am Eingang nicht kontrolliert wurden, weil sie bereits vor Beginn der Übung bereit saßen. Es folgte das obligatorische Ausrufen der schätzungsweise 20 Kabinennummern, die nach der ersten Überprüfung noch fehlten. Schlussendlich dauerte die Übung durch die verschiedenen Umstände fast eine Stunde. Für mich zumindest ein neuer Rekord auf meinen Reisen. Fünf Minuten waren wir dann auch schon bereit zum Auslaufen, das ich natürlich oben auf Deck 14 verfolgte.

Zeit zum Genießen

Während wir langsam die Kieler Förde in Richtung Ostsee verließen, konnte der Urlaub mit dem ersten Abendessen endlich beginnen. Die Wahl fiel auf das Atlantik-Mediterran am Heck auf Deck 4. Als praktisch erwies sich im weiteren Verlauf der Reise die Lage meiner Innenkabine auf Deck 3. Genauer gesagt war es Kabine 3061. Von dort aus sind es nur ein paar Meter bis zu den Atlantik-Restaurants auf Deck 4 und 5.

Die Fensterplätze in den Atlantik-Restaurants sind immer besonders beliebt.
Die Fensterplätze in den Atlantik-Restaurants sind immer besonders beliebt.

Die Wahl fiel auf das Atlantik-Mediterran. Wer sich nicht von der Speisekarte im Restaurant überraschen lassen möchte, kann im Vorfeld einen Blick in das Bordportal werfen. Dort finden sich stets die aktuellen Speisekarten für die Bedienrestaurants. Für mich ist in den Atlantik Restaurants eigentlich immer etwas dabei. Es gibt mehrere Menü-Variationen und man kann die Gerichte beliebig miteinander kombinieren. Wer, wie ich an diesem Abend, nicht den Hunger oder die Zeit für alle fünf Gänge hat, nimmt einfach weniger. Ich habe die Suppe und das Zwischengericht weggelassen. Mein Menü sah wie folgt aus:

  • Vorspeise: Bündner-Fleisch mit Knoblauch-Crostini
  • Hauptgang: Maispoulardenbrust mit Reis und gegrilltem Gemüse
  • Dessert: Tiramisu
Sonnenuntergang auf der Ostsee.
Sonnenuntergang auf der Ostsee.

Wie so häufig, hatte ich nichts am Essen im Atlantik auszusetze. Wenngleich es geschmacklich für mich auch keine Überraschung war. Mir gefällt es aber immer mal etwas Anderes auszuprobieren. Da die Portionen, abgesehen vom Hauptgericht, eine gute Größe haben, kann man immer wieder etwas Neues ausprobieren.

Tag 2 – Sonniger Tag auf der Ostsee

Nach einer ersten ruhigen Nacht auf See, nutzte ich den Seetag für einen entspannten Start in den Tag. Während die ersten schon beim Morgensport waren, schlief ich gemütlich aus und begann den Tag mit dem Frühstück im Anckelmannsplatz. Wie an Seetagen üblich, ist es ab einer gewissen Uhrzeit relativ voll. Im Gegensatz zu meiner Reise mit der AIDAnova war es aber dennoch nicht zu wuselig in den Gängen und damit auch gemütlicher. Der Ausblick durch die Fenster auf Deck 12 auf das ruhige Meer trägt automatisch zur Entspannung bei. Das Frühstücksbuffet an sich fällt relativ normal aus. Es gibt jede Menge Auswahl und für jeden Geschmack oder Frühstückstypen ist etwas dabei. Von herzhaft bis süß über Rohkost ist für jeden etwas dabei. Individuelle Omeletts werden außerdem auf Wunsch zubereitet.

Geschichtsstunde mit der Lektorin

Das Tagesprogramm für den ersten Seetag war prall gefüllt. Auf der Mein Schiff Herz hat mir zuletzt etwas Vielfalt gefehlt. Nun hatte ich eher das Problem mich zwischen mehreren Programmpunkten entscheiden zu müssen. Aufgrund der guten Erfahrungen auf meiner Reise mit der Mein Schiff Herz wollte ich mir unbedingt den Vortrag der Lektorin über Estland und Tallinn anhören. Das ein oder andere war zwar schon für den Tag in Tallinn geplant, dennoch ist es nicht verkehrt noch etwas mehr über Land, Geschichte und Leute, sowie praktische Hinweise zu erfahren. Die Lektorin an Bord war … die souverän ihr Fachwissen vermittelte und mir einen guten Überblick zu Tallinn und Estland gab. Wer etwas mehr über das nächste Reiseziel erfahren möchte, dem sind die Vorträge, die meist am Vortag stattfinden, wärmstens empfohlen.

Fisch, Fisch & Fisch

Nach der ein einstündigen Informationsüberflutung musste jetzt erstmal was zu essen her. Die Wahl fiel wieder auf das Buffet im Gosch Restaurant, das am Seetag besonders beliebt ist. Die direkt anschließende Außenalster-Bar am Heck trägt ihr übriges dazu bei. An Seetagen ist das Restaurant von 12:00 bis 14:00 Uhr geöffnet. Da man mit dem Essen auch nach draußen und in Richtung Anckelmannsplatz gehen kann, findet sich in der Regel auch recht schnell ein Platz zum Essen. Das Buffet selbst ist überschaubar und lässt dennoch nur wenige Wünsche für Fischliebhaber offen. Von verschiedenen Salaten (z.B. Gurkensalat) über panierte oder gebratene Fischfilets, Garnelen bis zu Bratkartoffeln und dem obligatorischen Dessert, hat die fünf Meter lange Buffettheke einiges zu bieten. Wenngleich ich sagen muss das über die Tage gesehen etwas Abwechslung fehlt. Gleiches gilt auch für die Speisekarte im Bedienteil des Restaurants. Die Speisen die zur Auswahl stehen, variieren nur selten. 

Geschmacklich tut es dem Ganzen aber keinen Abbruch. Da das Restaurant so beliebt ist, wird laufend direkt hinter der Theke nachproduziert. Ladenhüter wie es sie im normalen Buffetrestaurant schonmal geben kann, sieht hier eher selten. Wenngleich es natürlich auch hier schwierig ist eine Panade knusprig zu halten, was mir zum Beispiel beim Backfisch aufgefallen ist.

Sonniger Seetag auf der Ostsee.
Sonniger Seetag auf der Ostsee.

Das etwas andere Sounderlebnis im Klanghaus

Mehr oder weniger direkt im Anschluss stand dann die Einführung in das Klanghaus auf dem Programm. Erreichbar ist das „kleine Theater“ über den neuen Wall auf Deck 4. von der TUI Bar sind es ebenfalls nur wenige Schritte. Wie der Name Klanghaus schon vermuten lässt, steht hier vor allem der Klang, sprich Musik im Vordergrund. Doch die kleine Bühne kann noch viel mehr. Und genau das stellte uns die Klanghaus-Managerin vor. Zum Repertoire gehören Verschiedene Konzerte des Streichquartetts, Schauspiel, Lesungen, Comedy und Kinoabende. Im Prinzip also die komplette kulturelle Bandbreite. 

Im Mittelpunkt der kurzen Einführung standen daher auch die verschiedenen Einstellungen für den perfekten Sound in jeder Situation. Die Technik ist für jede Veranstaltung gewappnet bietet unendliche Möglichkeiten. Besonders zu spüren war der Test der Bässe. Die Managerin scherzte zwar, das man damit der Abtanzbar Konkurrenz machen könnte, so muss ich sagen das das gar nicht so abwegig wäre. Zum Abschluss gab es dann noch eine kleine Einlage des Streichquartetts. In den folgenden Tagen sollte ich dann noch einige Male bei den verschiedensten Veranstaltung im Klanghaus Platz nehmen.

Tag 3 – Tallinn

Nachdem auch die zweite Nacht an Bord überstanden war, näherten wir uns beim ersten Blick von Deck 14 bereits der Küste von Estland und damit auch der Hauptstadt Tallinn. 

Der Blick  vom Turm der Olaikirche auf die Mein Schiff 4 in Tallinn.
Der Blick vom Turm der Olaikirche auf die Mein Schiff 4 in Tallinn.

Das kleine Land mit gerade einmal etwa 1,4 Millionen Einwohnern blickt auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück. Umso erstaunlicher ist, wie sich Land und Leute seit der Unabhängigkeit 1991 entwickelt haben. Estland zählt schon seit Beginn der 2000er zu den den Vorreitern der Digitalisierung in Europa. Dinge wie elektronische Behördengänge oder digitalisierter Schulunterricht, die in Deutschland noch in der Entwicklung feststecken, sind in Estland schon seit vielen Jahren Realität und in der Gesellschaft angekommen. Und genau Mischung aus Geschichte und Moderne ist es, die Tallinn so spannend macht und das Stadtbild prägt.

Unser Tag in Tallinn begann zunächst mit einer kurzen Busfahrt in das Stadtzentrum. Der Weg lässt sich zwar auch zu Fuß bestreiten, ist aber angesichts der vielen Meter die man an einem solchen Tag zurücklegt, nicht zu empfehlen. Es ist davon auszugehen, dass jede Reederei, so auch TUI, Shuttlebusse zur Verfügung stellt. Der Preis für die Nutzung beläuft sich auf 9€ pro Person und Tag. Sprich kann man beliebig oft hin und her fahren. Nach etwa 10 Minuten waren wir dann auch schon am Ziel am russischen Kulturzentrum. Von dort lässt sich die Ober- und Unterstadt ganz bequem erkunden. Mit gut 500.000 Einwohnern ist Tallinn, im Vergleich mit anderen europäischen Hauptstädten auch noch gut zu überblicken. 

Kalte Dusche in 120 Meter Höhe

Für das erste Etappenziel hatten wir uns die Besteigung des Kirchturms der Olaikirche vorgenommen. Im Vorfeld hatten wir gelesen, dass es hier den besten Blick auf die Stadt und den Hafen geben soll. Gemütlich schlendert wir also zur Kirche und erreichten diese überpünktlich nach einer Viertelstunde. Als wir ankamen, war sie nämlich noch geschlossen, aber öffnete dann pünktlich um 10:00 Uhr die Türen. Die Besteigung des Kirchturms kostet drei Euro pro Person und ist nur in den Sommermonaten möglich. Da die Ostseekreuzfahrten ebenfalls vorzugsweise im Sommer stattfinden, sollte das also kein Problem sein.

Die Olaikirche in Tallinn.
Sie überragt alles, die Olaikirche in Tallinn.

Problematischer hingegen kann der Aufstieg werden. Insgesamt gibt es 258 Treppenstufen zu erklimmen. Die Teils sehr Steil ausfallende Steintreppe ist vermutlich nicht Jedermanns Sache. Wer Gegenverkehr in den engen Gängen vermeiden möchte, macht es wie wir, und ist passend zur Öffnung da. Dann kommt wenigstens auf dem Weg hinauf niemand entgegen. 

Nachdem wir auch die letzten Holztreppen gemeistert hatten, standen wir auch schon mehr oder weniger auf dem Dachvorsprung der Kirche. Rechts begann Dach und links der Blick in über hundert Meter tiefe. Der Kirchturm lässt sich auf den 50 Zentimeter breiten Holzplanken komplett umrunden. Zu unserem Glück ereilte uns und eine Handvoll weitere Besucher direkt ein Regenschauer. Insofern fiel die erste Umrundung vor allem nass aus. Der Wind in der Höhe macht es dabei natürlich noch ungemütlicher bei ohnehin maximal zehn Grad Außentemperatur. Daher endete die erste Umrundung auch rasch und wir zogen uns erstmal auf die höchste Ebene im inneren des Kirchturms zurück. Der Regenradar versprach immerhin eine zeitnahe Verbesserung des Wetters. Zehn Minuten später war es dann überstanden und ich konnte nochmal mit meiner Kamera nach draußen um wenigstens einmal die Mein Schiff 4 im Hafen von Tallinn zu fotografieren. Jetzt bot sich auch die Gelegenheit um den Blick oder Regen im Gesicht einfach mal über die Stadt schweifen zu lassen.

Auf in die Oberstadt von Tallinn 

Der Weg in die Oberstadt von Tallinn ist zwangsläufig mit einigen Treppenstufen verbunden.
Der Weg in die Oberstadt von Tallinn ist zwangsläufig mit einigen Treppenstufen verbunden.

Von oben hatte ich auch bereits einen guten Blick auf die Oberstadt von Tallinn. Oberstadt darum, weil das historische und politische Zentrum von Tallinn auf einem kleinen Hügel, 50 Meter über dem Rest der Stadt, liegt. Hier lebten früher Adel und Klerus während Kaufmänner die Unterstadt bevölkerten. Nach 258 Stufen hinunter, hieß es dann wieder Treppen hoch, um die Oberstadt zu erreichen. 

In der Oberstadt haben heute vor allem das Parlament und einige Botschaften, sowie Kirchen ihren Sitz. Entsprechend beliebt ist sie daher auch bei Touristen, von denen es erstaunlich viele an diesem Tag in Tallinn gab. Wir fahren übrigens das einzige Kreuzfahrtschiff an diesem Samstag im Hafen. 

Die Alexander Newsky Kathedrale in der Oberstadt von Tallinn.
Die Alexander Newsky Kathedrale in der Oberstadt von Tallinn.

Auffälligste Kirche ist übrigens die Alexander Newsky Kathedrale, die aus der Zeit unter russischer Zarenherrschaft stammt. Der russische Einfluss in der Geschichte und die geografische Nähe haben nachwievor großen Einfluss in Estland. Rund ein Drittel der Bevölkerung ist russischer Abstammung. Entsprechend viele russische Touristen sind daher auch in Tallinn unterwegs. Nebenbei erwähnt ist der Besuch in der Kathedrale natürlich zu empfehlen. Für mich war es das erste Mal, dass ich eine russisch-orthodoxe Kirche in der Größe von innen gesehen habe. 

Das moderne Tallinn – Trendviertel Talliskivi

Es hieß es erstmal genug mit Geschichte. Denn wir wollten noch etwas vom modernen Tallinn sehen. Prädestiniert dafür ist eine Viertel, das nur bei wenigen Touristen auf der Agenda steht, obwohl es ebenfalls zu Fuß, auf der anderen Seite des Bahnhofs, zu finden ist. Telliskivi zeigt wie sich eine Stadt von einem Industrieviertel in eine urbanes Quartier voller Kreativer Einflüsse verwandeln kann. Die Mischung aus industriellen Charme und hippen Cafés und kleinen Läden macht wohl am ehesten das Lebensgefühl junger Esten aus. Hier lässt es sich inmitten einer Großstadt entspannt leben, verweilen und arbeiten. Telliskivi ist das beste Beispiel dafür, das nicht etwas abgerissen werden muss um etwas neues zu erschaffen. Man könnte denken, dass sich die Menschen dieses Viertel nach und nach zurückerobert haben.

Auf stillgelegten Bahngleisen geht es durch Tilliskivi.
Auf stillgelegten Bahngleisen geht es durch Tilliskivi.

Nach einigen Stunden in Tallinn war es dann wieder Zeit den Rückweg zum Busshuttle anzutreten. Unterwegs entdeckten wir noch einige schöne Gassen der Tallinner Altstadt und ließen uns vom Flair der Stadt tragen. Aus dem Regen am Morgen war inzwischen strahlender Sonnenschein geworden. Unsere Hosen und Jacken war daher längst wieder getrocknet.

Mein Schiff strahlt im Hafen

Zurück am Hafen war das Wetter wie gemacht für einige Schnappschüsse der Mein Schiff 4. Der Bug und das Wasser glänzten in der Sonne. Das Ergebnis waren diese Fotos, von denen mindestens eins auch wieder in meinem nächsten Kalender wiederzufinden sein werden. 

Die Mein Schiff 4 in voller Pracht in Tallinn.
Die Mein Schiff 4 in voller Pracht in Tallinn.

Wie sich schon beim Auslaufen gegen 18:00 Uhr zeigte, war es schnell wieder vorbei mit dem Sonnenschein. Inzwischen hatten wieder graue Wolken das Zepter am Himmel übernommen. Eine frische Brise kam noch hinzu, sodass nur verhältnismäßig Wenige das Auslaufen an Deck verfolgten. Die meisten saßen zu diesem Zeitpunkt, geschafft von einem anstrengenden Tag, schon beim Abendessen. Nach dem Auslaufen gesellten wir uns dann auch zu ihnen dazu.

Tag 4 – Stockholm 

Es gibt eigentlich nur wenige Gründe im Urlaub schon um 05:00 Uhr in der Früh aufzustehen. Die Einfahrt nach Stockholm gehört dennoch definitiv dazu. Wer Stockholm kennt, weiß das die schwedische Hauptstadt im Grunde eine kleine Inselgruppe ist aber dennoch ein Stück von der Ostsee entfernt ist. Wer die Stadt vom Wasser aus erreichen will, muss nämlich zunächst den Schärengarten durchqueren. Ein Erlebnis, dass unter anderem zur Buchung dieser Kreuzfahrt geführt hat. 

Der Schärengarten von Stockholm

Heiße Schokolade zur morgendlichen Fahrt durch den Stockholmer Schärengarten.
Heiße Schokolade zur morgendlichen Fahrt durch den Stockholmer Schärengarten.

Die Fahrt durch den Schärengarten zieht sich nicht nur mehrere Stunden hin, sondern ist auch ein eindrucksvolles Erlebnis, das sich sonst wohl am ehesten mit den Fjorden in Norwegen vergleichen lässt. Da macht es auch nichts, wenn das Wetter nicht mitspielt und der Regen leicht in die extra auf dem Pooldeck bereitgestellte heiße Schokolade tröpfelt. Besonders gut lässt sich die Durchfahrt mit einem Frühstück im Anckelmannsplatz verbinden. Beim Anblick der Landschaft und der vielen kleinen typisch schwedischen Holzhäusern, schmeckt das Frühstück noch besser. Das im Laufe des Tages noch viele Regenschauer folgen sollten, war zum Glück noch nicht absehbar.

Vasa Museum – Der Touristenmagnet in Stockholm

Zum Glück kann man auch an einem regnerischen Tag viel in Stockholm erleben. Vor allem lohnt sich dabei ein Besuch beim Touristenmagneten der Stadt, dem Vasa Museum.

Die größe der Vasa ist beeindruckend.
Die Größe der Vasa ist beeindruckend.

Die Vasa sollte 1628 sollte das größte Kriegsschiff ihrer Zeit werden. Das Schiff wurde in Stockholm gebaut, doch sank bereits auf der Jungfernfahrt nach wenigen hundert Metern. Der Fehler war eine flasche Lastverteilung an Bord, die dazu führte das der Schwerpunkt des Schiffes zu hoch war. Ein Umstand, der bei modernen Kreuzfahrtschiffen beispielsweise undenkbar geworden ist. Bis in die 1950er Jahre blieb das Schiff verschollen, wurde dann aber unweit des Stockholmer Stadtkerns gefunden. Da es trotz der über 300 Jahre im Wasser überraschend gut erhalten, wurde das Schiff 1961 gehoben. Es folgte eine Jahrzehntelange Restauration. Heute ist das Schiff eines der wenigen weltweit, die in dieser größer so originalgetreu erhalten werden konnten. Der Besuch des Vasa-Museums ist daher besonders lohnenswert und beeindruckend zugleich. Das Schiff lässt sich auf insgesamt sieben Etagen umrunden. Mein Tipp: Ein früher Besuch ist, aufgrund des großen Andrangs, insbesondere am Wochenende empfohlen. Spätestens ab dem Vormittag schlängelt sich eine Reiseguppe nach der anderen durch das Museum.

Kein Gröna Lund Wetter

Gar nicht weit vom Museum entfernt befindet sich eine weitere seltene Attraktion, besser gesagt Attraktionen. Gröna Lund ist ein alteingesessener Freizeitpark in Stockholm. Es gibt wohl kaum einen anderen Freizeitpark der auf so wenig Fläche so viel zu bieten hat. Besonders schön ist die Lage direkt am Wasser. Im Kettenkarussell kannst du zum Beispiel über dem Wasser fliegen oder von anderen Attraktionen aus die Aussicht über Stockholm genießen. Wenn es halbwegs trocken gewesen wäre, hätte ich den Park wahrscheinlich auch besucht. 

Klein aber fein, der Freizaeitpark Gröna Lund in Stockholm.
Klein aber fein, der Freizaeitpark Gröna Lund in Stockholm.

Shopping am Sonntag

Auf dem Weg zu Vasa-Museum hatten wir uns übrigens Tickets für den Nahverkehr besorgt. Daher konnten wir nun vom Fähranleger Gröna Lund mit der Fähre direkt Slussen übersetzen. Der Anleger Slussen liegt direkt an der Altstadt Gamla Stan. Vorbei am Rathaus und am königlichen Schloss gingen wir weiter in Richtung modernes Stockholm. Wie wir bereits an Bord gehört hatten, habe. Viele Geschäfte in den Einkaufsstraßen auch am Sonntag geöffnet. Shoppen ist daher die zweite gute Alternative bei schlechtem Wetter in Stockholm. Wir beließen es aber eher beim Bummeln und genossen noch die wenigen Sonnenstrahlen im Stadtpark Kungsträdgården. Und so langsam machten wir uns wieder auf dem Weg zurück zum Schiff.

Die Mein Schiff 4 in Stockholm.
Die Mein Schiff 4 in Stockholm.

Essen mit Ausblick

Nach dem Ablegen legten wir wieder Kurs in Richtung Ostsee ein. Wer nicht zu den Frühaufstehern gehörte, hatte nun nochmal die Möglichkeit die Fahrt durch den Schärengarten zu genießen. Wir haben das Nützliche mit dem schönen verbunden und konnten im Atlantik Klassik einen Fensterplatz ergattern. Beim Ausblick auf die Schären und die vielen schönen schwedischen Holzhäusern, schmeckt das Essen gleich doppelt so gut. Ich entschied mich für folgendes Menü:

  • Vorspeise: Variationen vom Lachs
  • Suppe: Rinderconsommé
  • Hauptgang: Gebratener Schweinebauch mit Petersiliensauce
  • Dessert: Streuselkuchen mit Vanillesauce

Unterdessen merkte ich auch so langsam die Müdigkeit in den Beinen nach den zwei Hafen mit ausgiebigen Landgängen. Zum Glück war der nächste Tag wieder ein Seetag und leider auch schon der letzte Tag der Reise.

Tag 5 – 2. Seetag

Der zweite Seetag begann für mich sportlich entspannt. An Bord der Mein Schiff Flotte gibt es immer viele Fitnesskurse, die in der Regel kostenlos sind. Um auch das einmal zu testen ging ich an diesem Morgen zum Kurs “Dehnen und Entspannen”. 

Neben mir waren noch etwa 6-7 weitere Gäste zum Kurs gekommen. Besonders an den Seetagen folgt im Trainingsraum auf Deck 12 ein Kurs dem anderen. Unsere einheit dauert etwa eine halbe Stunde und wurde von einer sympathischen Trainerin und entspannter Musik begleitet. Das schöne am Kursraum ist, dass man währenddessen immer den Blick nach draußen beziehungsweise auf das offene Meer schweifen lassen kann. Insofern war der Kurs ein richtig entspannter Start in den Tag. 

Um auch wenigstens einmal auf der Reise in den Pool gesprungen zu sein, machte ich das gleich im Anschluss. Ich hatte dabei sogar Glück und hatte den 25-Meter Außenpool ganz für mich alleine. Wahrscheinlich lag es am Regen, denn die Regenwolken zeigten sich auch heute zu beginn des Tages wieder. Frisch geduscht, gab es im Anschluss dann erstmal Frühstück.

Schaulustige an Bord

Etwas später meldete sich der Kapitän unplanmäßig zu Wort und kündigte einen Rettungseinsatz an. Ein Patient aus dem Bordhospital musste mit einem Rettungshubschrauber auf das schwedische Festland gebracht werden. Infolgedessen musste ein Großteil der Außendecks geräumt werden. Da wir ohnehin schon im überdachten Teil beim Innenpool waren, betraf uns diese Aussage nicht unmittelbar. Allerdings konnte beziehungsweise musste ich so das Verhalten einiger andere Passagiere mit ansehen. Einige fanden den Rettungseinsatz offenbar so interessant, dass sie sich zu Dutzenden im kleinen Innenbereich auf Deck 14 tummelten. Jeder von ihnen erwartete zunächst sehnsüchtig den Rettungshubschrauber um dann den besten Blick auf das Geschehen zu haben, so wie es Schaulustige eben zu tun. Abgesehen davon, dass es nichts zu sehen gibt, ist so ein Rettungseinsatz gar nicht so ungewöhnlich auf Kreuzfahrtschiffen. Dabei gilt an Bord das gleiche wie an Land, es gibt keinen Grund zum Gaffen und wer selbst einmal auf einer Liege liegt, möchte auch nicht von allen Seiten angegafft werden.

Wie der Kapitän später mitteilte, hat alles reibungslos geklappt und der Patient war auf dem Weg in ein Krankenhaus auf dem Festland.

Pizza, Burger, Currywurst & Co. – Tag & Nacht Bistro

Mein Hamburger im Tag & Nacht Bistro auf Deck 5.
Mein Hamburger im Tag & Nacht Bistro auf Deck 5.

Geschockt vom Verhalten einiger Mitreisenden, war es Zeit für eine kleine Stärkung am Nachmittag. Die Wahl fiel auf das Tag & Nacht Bistro das bereits einige Male Anlaufpunkt für einen Snack zwischendurch war. Es hat schließlich rund um die Uhr geöffnet.

Wer auf Fast Food steht, ist hier jedenfalls richtig. Es gibt laufend frische Pizza, auf Wunsch zubereitete Hamburger in verschiedenen Variationen und Klassiker wie Pommes und Currywurst dürfen dabei auch nicht fehlen. Außerdem gibt es noch eine kleine Salatbar.

Ich bestellte mir für den etwas größeren Hunger einen scharfen Hamburger mit Jalapenos und Bacon. Wer empfindlich auf Schärfe reagiert, sollte sich vielleicht einen anderen aussuchen. Mit hat die Schärfe auf jeden Fall überrascht und ich brauchte die ein oder andere Pommes zum Neutralisieren. Lecker war der Burger nichtsdestotrotz und auch die Pizza kann ich weiterempfehlen. 

Loriot Klassiker im Klanghaus

Am Abend war es dann Zeit für einen letzten Besuch im Klanghaus. Auf dem Programm stand “Best of Loriot”. Obwohl ich ja nicht unbedingt aus der Loriot-Generation stamme, sind er und die berühmte Sketche rund um Familie Hoppenstaedt, mir natürlich nicht unbekannt. 

Meine Lieblingslocation an Bord der Mein Schiff 4: Das Klanghaus.
Meine Lieblingslocation an Bord der Mein Schiff 4: Das Klanghaus.

Auf der Bühne waren das Wohnzimmer und die Kücher der Familie Hoppenstedt nachgebaut und das Duo aus dem Schauspielensemble ließen einige der berühmten Sketche wieder aufleben. Es war ein sehr kurzweiliges und amüsantes Vergnügen, dass vor allem bei den älteren Mitreisenden für viele Lacher sorgte. 

Tag 6 – Die letzten Stunden an Bord

Irgendwann musste es ja wieder soweit sein, der Tag der Abreise war da. Da unser Zug den Kieler Hauptbahnhof erst gegen 12:30 Uhr verlassen sollte, konnten wir noch die letzten Stunden an Bord in Ruhe genießen. 

Die Koffer hatten wir bereits am Vorabend vor die Kabine gestellt, sodass sie später im Terminal bereit stehen. Die Kabine muss auf der Mein Schiff Flotte bis 9:00 Uhr verlassen werden. Nachdem wir auch unser Handgepäck zusammen hatten, gingen wir dann noch ein letztes Mal im Anckelmannsplatz Frühstücken. Im Anschluss machten wir es uns dann noch auf dem Pooldeck in der Sonne bequem. Das Schiff sollte man in der Regel dann bis 11:00 Uhr verlassen. 

Mein Crêpe von der Eisbar am Pooldeck.
Mein Crêpe von der Eisbar am Pooldeck.

Ich nutze die Gelegenheit aber noch für einen kurzen Snack. Da die Bars und auch die Eisbar um 10:00 Uhr öffnen blieb noch Zeit für einen alkoholfreien Cocktail und einen frischen Crêpe mit Waldbeeren. Besser kann man eine Kreuzfahrt eigentlich nicht beenden. Die anschließende Heimfahrt verlief problemlos und der kurze Urlaub war schon wieder Geschichte.

Gelohnt hat sich die Reise in jedem Fall. Mit Tallinn und Stockholm standen zwei wirklich schöne Städte auf dem Programm. Selbst wenn das Wetter nicht immer perfekt mitspielte, konnte ich wieder viel erleben. Die Fahrt durch den Schärengarten von Stockholm werde ich auch so schnell nicht vergessen. Zumindest solange nicht, bis ich eine Kreuzfahrt durch die norwegischen Fjorde unternommen habe.

Weitere Reiseberichte findest du hier: 
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